Schiller - Helden - Räuber


Was kann mir Schiller heute noch sagen? Schillers Helden?

Ja, Schillers Helden. 

Heldenfiguren sind ein z.T. offensichtliches viel stärker aber noch verdecktes Grundmuster unserer Kultur. Helden werden erschaffen und zerstört, geliebt und benutzt. Das Kino braucht sie wie der Comic, das Fernsehen erfindet sie als „Stars“ jeden Tag neu und die Werbung inszeniert sie in höchster ästhetischer Perfektion. Das Heldenschema funktioniert und hilft dabei sich selbstlos für andere einzusetzen oder Kasse zu machen. Dem Soldaten wie dem Selbstmordattentäter wird der Heldentod versprochen.

Was macht einen Helden aus? Wie erschaffe ich einen Helden? Was, wenn alle Drachen besiegt sind und der Held arbeitslos? Auch diese Fragen wollen wir Herrn Schiller stellen.

Heldenfiguren in unserem Kulturraum werden abgeklopft nach ihrer Herkunft und Bedeutung für die Jugendlichen selbst. Welche Wertesysteme verkörpern Helden? In welchen Systemen gedeihen Sie? (Vorkommen, Haltung, Vermehrung)
Was stelle ich mit ihnen an?
Der instrumentalisierte Held (Siegfried) und der individualisierte Held (Spiderman) wurden und werden im gesellschaftlichen Umfeld benutzt, politisch eingesetzt und letztendlich Macht damit ausgeübt. (Werbung, Nationalismus,...)


Wir nutzen die „Räuber“ von Schiller für unsere Expedition. Hier finden wir ein Grundmuster für eine tragische Heldengeschichte und Karl Moor als Rebell, als Punk bietet genügend Identifikationspotential.

Die Akteure setzen sich mit dem dramatischen Gerüst dieser Geschichte und ihrer Personen (Helden und Antihelden) auseinander, transportieren und handhaben diese, und entwickeln eigene heutige Ausdrucksformen.

  1. Die Umsetzung – der rote Faden

Räuber 2.0

Eine Gruppe von Leuten versuchen das historische Schillerstück auf die Bühne/ Film zu bringen. Setzen sich mit dem Text auseinander aber der Funke will nicht überspringen. Die Säge klemmt. Ist heute doch alles anders. Interessiert doch keinen. Konflikt zwischen dem Macher und den meuternden Ausführenden. Die Meuterei findet im Hier und Jetzt statt. Und von den Beteiligten unbemerkt entfaltet sich genau  die dramatische Struktur des Stückes an ihnen und mit ihnen in der Jetztzeit, in ihrem Alltag...mit den heutigen Formen, Helden, Sprache...
The same procedure as every time...ein Klassiker eben...


Um Jugendliche aus einem möglichst breitem sozialen und kulturellem Spektrum zu erreichen soll es neben Theater-, Kostüm- und Filmworkshop auch Graffitti, Feuerjonglage und Arkrobatik geben. Ein Bandprojekt wird mit eingebunden. Ziel ist die Verzahnung von kulturell Aktiven und Neueinsteigern.


Zuerst wird die Geschichte entwickelt. Daraufhin erarbeitet jede Gruppe in Einzelworkshops ihre Grundlagen und im gemeinsamen Abschlussworkshop wird das Gesamtkunstwerk zusammengebaut, der Film gedreht.

Das Ziel ist eine Collage aus circensischen Elementen, Graffitti, Musik, szenischer Darstellung und Filmschnipseln. Der Film ist Medium und Dokumentation zugleich, er bildet die Klammer.


Die öffentliche Präsentation des „Gesamtkunstwerks“ findet in der Schillernacht vom 20. zum 21. Juni auf der Heidecksburg statt.